Excite Truck
 
Zweite Meinung vom 24. Feburar 2007


Bei Nintendo scheint es inzwischen Tradition zu sein zum Launch einer Konsole mindestens einen potenziellen Megahit (Mario 64, Luigis Mansion, Zelda TP) und einen flotten Racer zu bringen. Bisher war letzterer immer ein Ableger der Wave Race- Serie, auf dem Wii schickt Nintendo bzw. Monster Games den Arcade Racer „Excite Truck“ ins Rennen gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz, die weniger auf dem Wii stattfindet (siehe 4x4 Monster Truck von UbiSoft), denn vielmehr in Form von Motorstorm bald auf der PS3 erscheinen wird.

Wie also ist Excite Truck, der inoffizielle „Nachfolger“ von Excite Bike (NES/ N64) insgesamt geworden?

Wenn man die technische Seite des Spiels betrachtet, so kann es mit Sicherheit nicht gegen ein Motorstorm auftrumpfen. Muss es als Wii- Spiel aber natürlich auch nicht. Excite Truck ist grafisch momentan wohl mit das Beste, was wir auf dem Wii haben. Vielleicht ist Zelda in der Gesamtheit schöner und Red Steel bietet auch einige nettere Effekte, aber mehr Games als beiden können Excite Truck grafisch nicht gefährlich werden. Die Grafik ist absolut sauber, rasant und vollkommen nebelfrei. Gerade die ungeheure Weitsicht ist bei den langen Flügen hoch über den Levels ein riesengroßer Vorteil des Spiels. Auch dass hier nichts zuckelt und ruckelt, tut dem Spiel angenehm gut. Das Wasser schaut fein aus und bietet schöne Spiegelungen, darf aber nicht befahren werden, denn es „spritzt“ doch reichlich seltsam auf. Auch die Trucks sind nett modelliert, bieten aber ein hilfloses Schadensmodell, was sehr schade ist, da das ganze Spiel sehr deutliche Anleihen bei der Burnout- Serie nimmt und dort zerquetschen sich die Autos bei gekonnten Crash’s ungeheuerlich gut. Bei Excite Truck splittert vielleicht mal ein wenig Farbe ab und wenn man Glück hat verliert man einen Reifen oder die Stoßstange. Und das, obwohl man zuvor mit gefühlten 200 km/h über 300m über der Erde schwebte und frontal gegen eine Mauer klatschte.
Ansonsten fehlt es der Grafik ein wenig an Abwechslung. Dabei meine ich gar nicht zu sehr die fehlenden unterschiedlichen Landschaften (es gibt ja immer sieben Stück), sondern die Details innerhalb der Level. In Schottland scheint es nur zwei Arten von Bäumen zu geben, in Finnland wenn man sucht vielleicht drei. Auch sonst sind die Strecken fein modelliert, aber an auffälligen Sehenswürdigkeiten mangelt es teilweise. Da gibt es ein kleines Haus in Kanada, eine Burg in Schottland und dann wars das. In Mexiko sieht man nur Wüste und die immer gleichen Kakteen. Wenngleich ich das sofort einschränken muss, wenn sich das hier zu dramatisch anhört. Das bekommt man als Spieler kaum mit, wenn man durch die Level hetzt und von einem Hügel zum nächstes fliegt. Wen kümmerts (im Endeffekt), wenn da fünf Bäume exakt gleich aussehen? Mich jedenfalls nicht!
Etwas auffälliger ist da schon der kleine Grafikaufbau. Die Weitsicht stimmt, schrieb ich oben. Ja, tut sie. Aber das betrifft leider nur Boden, Wasser und Bäume. Sträucher, Gräser und gaaanz selten auch mal Bäume werden erst bei näherem Herankommen sanft ins Bild eingefügt. Das fällt dank intelligenter Streckenführung meist kaum auf, macht sich aber bei weiten und hohen Sprüngen teilweise dann doch bemerkbar.

Der Sound kann schnell abgehandelt werden. Entweder man begnügt sich mit dem etwas langweiligen Rockgedudel im Hintergrund oder schiebt sich seine eigene SD- Karte in den Wii und hört das, was man hören möchte. Letzteres ist dringend zu empfehlen, da die mitgelieferte Musik doch schneller nervt, als man denkt. Die Soundeffekte des Autos sind dabei auch nur Mittelmaß. Es gibt verschiedene Motorengeräusche, die aber allesamt etwas unrealistisch (gut, ist ein Arcadespiel), und darüber hinaus auch etwas schwächlich klingen.

Nun genug zur technischen Seite. Macht das Spiel Spaß? Definitiv „Ja“! Das Bekenntnis gleich vorweg: In der gesamten GameCube Ära hat mir kein Rennspiel soviel Spaß bereitet wie Excite Truck. Wenn man die ersten 4-5 Runden gedreht hat und sich an die zunächst seltsame Steuerung (ich hab erst immer das Steuerung zum Lenken benutzt ;)) gewöhnt hat, dann kommt einfach Fahrspaß auf. Man denkt sich: Einmal noch, eine Runde packst du noch! Und man kennt das ja: Nur zu selten bleibt es dann bei dieser einen Runde.
Die Steuerung funktioniert nach kurzer Eingewöhnungsphase wirklich tadellos und überaus exakt. Ich habe jetzt Stunden mit dem Spiel zugebracht und ich habe einige Male den Sieg wirklich böse verschenkt und hätte den Wii samt Spiel gerne an die Wand geworfen, aber ich muss fair bleiben: Es lag niemals an der Steuerung, sondern immer an mir selbst. Die Wiimote erkennt die Lenkbewegungen wirklich immer, auch wenn man sie etwas schief hält. Im Prinzip hat man den Wagen immer unter voller Kontrolle.
Positiv hervorzuheben ist dann auch die Lernkurve des Spiels. Die Entwickler haben mitgedacht und den Einstieg ins Spiel bewusst einfach gehalten. Für viele ist ja das erste Mal, dass sie die Wiimote quer halten und damit lenken sollen. So sind die ersten Runden leicht geschafft, aber wie so oft bei Nintendo Titeln ist das Erlernen der Steuerung nicht schwer, aber deren Perfektion nicht einfach zu erreichen. So auch hier. Spätestens wenn man im Super Excite Modus alle S- Ränge holen soll, kommt man doch so einige Male richtig ins Schwitzen und muss sich neue Taktiken in den Rennen überlegen. Vor allem die Kanada- Kurse im Gold und Platin Cup müssen hier Erwähnung finden.
Auch hier muss ich etwas Positives festhalten. Excite ist ja kein bloßes Rennspiel, denn muss um die Cups abzuschließen ja auch „Sterne“ sammeln, indem man nah an Bäumen vorbeirast, weite Sprünge (ggf. durch Ringe) macht oder Stunts in der Luft vollführt. Ich war gegenüber diesem Konzept zunächst sehr skeptisch. Ich mag lieber den puren Rennspielspaß. Aber ich muss jetzt zugeben, dass Monster Games hier eine wirklich hervorragende und spielspaß- fördernde Idee gekommen ist, die auch in ihrer Balance (zwischen Tricks machen und Platzierung) äußerst gelungen ist. Um den begehrten S- Rang zu bekommen, muss man praktisch Erster werden und gleichzeitig ziemlich viele Tricks machen. Das sehr anspruchsvoll. Um die Level aber zunächst einmal nur zu „schaffen“ (dh. mindestens B- Rang) reicht häufig auch der 2. oder 3. Platz, wenn man einigermaßen Punkte gesammelt hat. Oder eben man wird Erster und sammelt nicht so viel. Das ist hervorragend gelöst und macht Spaß. Dabei fordern die S- Ränge vom Spieler wirklich viel ab. Aber sie eben nicht so astronomisch hoch, dass man denkt „Das schaff ich nie!“. Beispiel: Man braucht 300 Sterne um das Kanada Level im Platin Cup zu schaffen. 50 Sterne gibt es für den Sieg. Der ist fest eingeplant. Bleiben 250 Sterne in 2 Runden zu holen. Ich habe den Kurs „oft“ gefahren und hatte immer so zwischen 230 und 245 Sterne geholt und wurde dann Erster. Besonders ärgerlich: Einmal hatte ich 253 Punkte, wurde dann aber dummerweise nicht Erster.
Was ich damit klar machen möchte: Die S- Ränge sind definitiv schwierig, aber eben machbar. Und genau dieses genial gesetzten Zielvorgaben sorgen zusammen mit dem Fahrspaß, der einfach auf den Strecken entsteht, für den Effekt „Ach komm, einmal fahr ich noch! Ich war soooo nah dran!!!“
Ein letzter positiver Aspekt: Die insgesamt 20 Strecken bieten sehr viele Möglichkeiten. Fast jede Strecke bietet Abzweigungen und Abkürzungen. Mal Abschnitte, wo man mehr Sterne sammeln kann, mal wo man einfach schneller ist. Je nachdem wie man fährt und welche Taktik man verfolgt, muss man unterschiedliche Routen nutzen. Durch die Terraform- Symbole, die die Umgebung unmittelbar vor einem verändern, entstehen weitere Variante. Und um später alle S- Ränge zu ergattern ist es sogar von Nöten, mitten durch Wälder zu preschen. Das Schöne daran: Zunächst erscheinen viele Wälder völlig unwegbar, aber wenn man genau hinschaut gibt es häufig kleine Gassen, die einem einen richtigen Sternesegen bringen, wenn man es denn schafft den Truck gerade zu halten. So wird man immer wieder motiviert die Strecken aufs Neue zu erkunden und je mehr Sterne man sammeln muss, desto genauer schaut man und desto mehr Varianten einer Strecke entdeckt man. Hier kommt dann auch das wirklich sehr gute Design der Strecken zur Geltung, wo wirklich jeder Hügel und Baum genutzt werden kann.

Fazit:
Excite Truck ist wieder mal ein Fall, den schwer bewerten kann. Technisch ist es oberes Mittelmaß, keine Frage. Das Design des Spiels ist toll, die Streckenführung bietet zig Möglichkeiten und das Konzept von Sterne- Sammeln und purem Rennspiel ist auf phänomenale Art und Weise gelungen. Aber das Wichtigste: Das Spiel macht einfach nur Spaß. Mir zumindest. Rein objektiv gesehen, bietet das Spiel die oft angekreideten Schwächen: Zu wenig Strecken, kein vernünftiger Multiplayer (nur lahme 2 Spieler Duelle ohne CPUs), keine Online- Anbindung, zu wenig Abwechslung im eigentlichen Sinne und bis auf das Sterne- Feature auch keine weiteren Innovationen (abgesehen von der Steuerung). So gesehen wäre es halt ein gutes, aber durchaus mittelmäßiges Rennspiel.
Das ist es aber meiner Meinung nicht. Dafür macht es einfach zu viel und zu lange Spaß. Die Streckenumgebungen sind nicht so zahlreiche wie Gran Tourismo und auf der Fuhrpark kann mit anderen Rennspielen nicht mithalten, aber das ist auch egal. Genauso wie die im Detail nicht perfekte Grafik.
Wenn man Excite Truck erstmal gespielt hat, wird man unweigerlich von diesem „Ich will es schaffen“- Phänomen überrumpelt und man sitzt so lange daran, bis man es wirklich geschafft hat. Und zwischendrin macht es – ich kann mich nur wiederholen – viel, viel Spaß. Dafür sorgen all die Punkte, die ich im letzten Abschnitt aufgezählt habe. Problem ist, das Spaß vielfach sehr subjektiv ist. Vielleicht gibt es jemanden, den diese Punkte nicht so sehr ansprechen und dann versagt das Spiel, denn „mehr“ bietet es einfach nicht. Wenn der Funke nicht überspringt, wird man schnell Langeweile mit ET haben, denn dann ist es im Prinzip doch jede Runde wieder nur Dasselbe.
Man kann also bei Excite Truck um die verschenkten Möglichkeiten (Online etc.) weinen, aber im Endeffekt sollte man sich freuen, dass es diese Spieleperle überhaupt gibt und sie wirklich kaufen oder zumindest antesten.


+ intuitive & tadellose Steuerung
+ sehr gute Weitsicht
+ schnell und ruckelfrei
+ Kompromiss aus Sterne- Sammeln und Rennspiel
+ Streckendesign
+ angenehme Lernkurve
+ bietet viel „Einmal noch“- Momente
+ eigener Sound per SD- Karte
+ macht allein viel Spaß


- Grafik im Detail langweilig
- lahmer Multiplayer
- kein Online Modus
- durchschnittliche Soundeffekte


Wertung:
11 Punkte/
15 Punkte
 
   
 
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